Luft

Die Luft Kalkuttas ist ein ununterbrochenes Ghetto, auf ewig bezwungen von Smog und Gestank. Licht durchdringt nur fade den bedrohlichen Grauschleier. Völlig unmöglich, einen einzigen reinen Sonnenstrahl aus dem atmosphärischen Fäulnisprozess zu extrahieren.
Meistens dämpft regelmäßiger Niederschlag den Gipfel der Belastungen und zwingt wenigstens einen kleinen Teil des Drecks zu Boden. Doch das Drama ist natürlich steigerungsfähig. Während der Trockenheit der Wintermonate verschlechtert sich die ohnehin schon unsägliche Luftqualität sofort um eine weitere Dimension.
Zwischen Dezember und Februar rächen sich die Gegensätze:
zwischen hunderttausenden, offenen Feuerstellen und der Fähigkeit, nuklear bestückte Marschflugkörper auf den ungeliebten Nachbarn Pakistan abzufeuern,
zwischen den wenigen modernen Verbrennungsmotoren aus den Werkshallen von TATA und den vielen Fahrzeugen mit Technik aus der Nachkriegszeit,
zwischen dem unbedingten Erreichenwollen industrieeller Konkurrenzfähigkeit im globalen Maßstab und dem Verzicht auf alle Maßnahmen zur Erhaltung des Lebensraums.
Hunger ist bedrohlicher als Husten.
