Zwanzig Jahre danach

Die zwanzig Jahre nach den vierzig Jahren sozialistischer Planwirtschaft haben gereicht, um die neuen Bundesländer über die Mechanismen kapitalistischer Märkte zu informieren, um die Notwendigkeiten veränderter Produkt- und Eigenwerbung zu erlernen und um das eigene Bemühen für maximalen Geschäftserfolg zu steigern. Besonders im strukturschwachen Mecklenburg-Vorpommern, wo sich ein Fehler schneller und nachhaltiger rächt als an einem anderen Ort der Republik, sind das Werben um jeden Kunden, dessen Zufriedenstellung und der dadurch erzielte Umsatz oberste Gebote. Prinzipiell wurden diese Lektionen gut gelernt, zumal die wirtschaftlichen Zwänge, denen jeder einzelne Mensch unterworfen ist, kein anderes Handeln empfehlen können.
So ist es sehr verwundlich, in welchem Dialog ich mich plötzlich wiederfand. In einem der Rostocker Kauftempel, einem dieser großartigen Paläste aus Glas und Stahl in edler Lage, umzingelt von vielen bekannten Namen und Logos, suchte ich eine Chilimühle.

“Die Gewürzmühlen habe ich entdeckt. Aber die Chilimühlen nicht.”
“Da haben wir so viele gehabt. Und die haben wir so schnell verkauft. Und jetzt haben wir keine mehr. Gehen Sie doch mal rüber zu WMF, gleich auf der anderen Straßenseite.”

Auch Tage danach überlege ich noch, wen ich für das Schleudertrauma nach dem vielen Kopfschütteln verantwortlich machen soll.

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